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04.06.2012
"Weder Bundesregierung noch Kommunen haben ihre Hausaufgaben erledigt"
Ein Kommentar von Didacta-Präsident Professor Wassilios E. Fthenakis zum 10-Punkte-Plan für den Ausbau der Angebote für unter dreijährige Kinder, den Familienministerin Kristina Schröder am 30. Mai in Berlin vorstellte:

"Allein die Tatsache, dass ein 10-Punkte-Plan zum jetzigen Zeitpunkt den Ausbau der Angebote für unter dreijährige Kinder beschleunigen soll, macht das Problem deutlich: Weder die Bundesregierung noch die Kommunen haben ihre Hausaufgaben erledigt. Und aller Voraussicht nach wird der Plan des Familienministeriums nichts an der Misere ändern.

Der Ausbau der Angebote für die Kleinsten bleibt das Stiefkind der Politik. Darin kommt die ganze Ambivalenz  der Gesellschaft zum Ausdruck und Ideologien und parteipolitisches  Kalkül werden über das Wohl unserer Kinder gestellt. Zudem wird die Unfähigkeit (auch Unwilligkeit?) deutlich, die Bildungs- und Betreuungsbedürfnisse unserer Kinder ernst zu nehmen und angemessen wie rechtzeitig auf sie zu reagieren. 

Wie immer kuriert dieser 10-Punkte-Plan nur Symptome, die Ursachen bleiben nach wie vor erhalten. Das Familienministerium hat uns in der letzten Zeit mit Maßnahmen konfrontiert, die nicht nur eine fachliche Fundierung entbehren, sondern auch die Frage nach dem Sinn aufwerfen. 

Bund, Länder und Kommunen müssen sich endlich ihrer Verantwortung für die Bildung der Kinder in unserem Lande in vollem Umfang und  unverzüglich bewusst werden: 

  • Die Investitionen im vorschulischen  Bereich müssen verdoppelt werden, um die Voraussetzungen für ein funktionierendes System zu schaffen. 
  • Die Bildungs- und Betreuungsqualität muss auf hohem Niveau gesichert werden.
  • Die  Professionalisierung der Fachkräfte sollte zur nationalen Aufgabe erklärt werden.
  • Die Kooperation zwischen Tageseinrichtungen und  Familien sowie anderen Bildungsorten muss neu gestaltet werden. 

Nur durch umfassende Reformen wird frühe Bildung gelingen.

Man kann derzeit nur eine sichere Prognose treffen:  Wenn die  Prämissen des 10-Punkte-Plans so bleiben, wird weder das Problem der Quantität und gar nicht das der Qualität gelöst werden. So bleiben wir nachhaltig und unverbesserlich in der Schuld der nachkommenden Generation und verspielen die Zukunft des Landes. Wer so etwas verantwortet, ist gewiss fehl am Platz."