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23.04.2012
Studie: Betreuungsgeld im Ausland hat negative Folgen

Das Betreuungsgeld für daheim erziehende Eltern hat einer Studie zufolge in Skandinavien überwiegend negative Folgen. Das geht aus einer Analyse der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervor. Demnach wird das Betreuungsgeld in Finnland, Norwegen und Schweden vor allem von Müttern mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsniveau und Migrationshintergrund in Anspruch genommen.

Die in Betreuungseinrichtungen angebotene frühkindliche Bildung komme deren Kindern daher nicht zugute. Eine Folge sei zudem, dass mehr Frauen auf Berufstätigkeit verzichteten - in Finnland ebenfalls vor allem Frauen mit ausländischen Wurzeln.

Finnland zahlt Familien, die die staatlich subventionierten Kinderkrippen nicht in Anspruch nehmen, bereits seit 1985 ein Betreuungsgeld. Norwegen führte es 1998 ein, Schweden 2008. Wichtigstes Argument bei der Einführung in allen drei Ländern war der Studie zufolge die Wahlfreiheit der Eltern.

Ähnlich wird von den Befürwortern des Betreuungsgeldes jetzt auch in Deutschland argumentiert. Besonders in Norwegen und Schweden ist das Betreuungsgeld politisch extrem umstritten.

Die Höhe des Betreuungsgeldes unterscheidet sich in allen drei Ländern kaum und liegt im Schnitt bei zehn Prozent eines durchschnittlichen Monatslohns. In Deutschland sollen Eltern nach den bisherigen Koalitionsabsprachen zunächst 100 Euro monatlich bekommen, später 150 Euro.

In Finnland erhalten 52 Prozent der Eltern, die Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen, die staatliche Unterstützung. Dieser Anteil ist über die Jahrzehnte stabil geblieben. Bei Einführung ging die Zahl der Anmeldungen in Kinderkrippen stark zurück. In Norwegen beziehen zur Zeit 25 Prozent der Eltern Betreuungsgeld, anfangs waren es 75 Prozent. In Schweden ist die Nutzung sehr gering. Die Gemeinden können über die Einführung des Betreuungsgelds selbst entscheiden. Nur jede dritte hat sich dafür entschieden. In diesen Gemeinden nutzen der Studie zufolge aber nur fünf Prozent der berechtigten Eltern diese Sozialleistung.

Die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Caren Marks, sagte, die Erfahrungen zeigten, dass die Einführung eines Betreuungsgeldes in Deutschland "unsinnig ist und bleibt".

Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) erklärte: "Bildungsanreize von außen gewinnen erst später im Kindergarten eine größere Bedeutung. Daher ist es einfach falsch, dass Krippen für Ein- und Zweijährige besser sind als ihre Eltern oder familiennahe Bezugspersonen."

Weitere Informationen
Studie der Friedrich Ebert Stiftung

 

Quelle: dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 17/2012
Foto: © MAK - Fotolia.com