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21.05.2012
Hoher Studienabbruch in MINT-Fächern
Fast die Hälfte aller Studenten in den technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen hält nicht durch bis zum Abschluss. Darauf hat der Arbeitgeberverband Nordmetall hingewiesen und gleichzeitig mehr Engagement von den Hochschulen gefordert. "Wir erwarten von den Hochschulen nicht nur eine intensivere Beratung, bessere Vorauswahl und Betreuung der Studenten, sondern auch die Beschäftigung mit der Qualität der eigenen Lehre", sagte Peter Golinski, Leiter Bildungspolitik bei Nordmetall.

Eine am 7. Mai vom Bundesbildungsministerium veröffentlichte Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) hatte hohe Abbrecherquoten vor allem in den MINT-Studiengängen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) ergeben.

Auf Basis des Absolventenjahrgangs 2010 wurden im Bachelorstudium an Universitäten besonders hohe Studienabbruchquoten in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen festgestellt. Nur jeder zweite Studienanfänger von 2006/2007 erreicht hier einen ersten Hochschulabschluss. "Offensichtlich haben sich bei der Einführung des Bachelorstudiums in den Ingenieurwissenschaften bestimmte Studienprobleme kumuliert", heißt es dazu in der HIS-Studie. Auch in den Naturwissenschaften mit einer Abbruchquote von 39 Prozent dürfte das der Fall sein.

In den alten Diplomstudiengängen an Universitäten wie an Fachhochschulen registrierten die HIS-Forscher ebenfalls einen überdurchschnittlich hoher Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften.

An den Fachhochschulen ist die Lage etwas besser: Dort brachen im Bachelorstudium 30 Prozent der Studierenden sowohl in den ingenieur- als auch in den naturwissenschaftlichen Studiengängen ihre Hochschulausbildung ab. In der Fächergruppe Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Sozialwesen beispielsweise waren es dagegen nur 6 Prozent.

Schavan: Geben Schulen richtiges Rüstzeug mit?

Angesichts dieser Zahlen forderte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Schulen auf, kritisch zu prüfen, ob sie ihren Abgängern das richtige Rüstzeug für einen guten Start in ein Ingenieursstudium mitgeben. Die Hochschulen müssten darüber nachdenken, wie sie mehr Studierende zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Auch der Bund engagiere sich für die Studierenden: So unterstütze die Bundesregierung mit dem Qualitätspakt Lehre viele Hochschulen bei der Verbesserung der Studienbedingungen in den MINT-Fächern, betonte Schavan.

Insgesamt haben der HIS-Studie zufolge 28 Prozent der Bachelor-Studenten auf Basis des Absolventenjahrgangs 2010 ihr Studium erfolglos abgebrochen - das sind drei Prozentpunkte mehr als zuvor. Diese Steigerung führen die HIS-Autoren auf Probleme im Zuge der Umstellung der Studiengänge auf die gestufte Struktur zurück.

Mit dem Wert von 28 Prozent liege Deutschland im unteren Mittelfeld der OECD-Länder, hieß es weiter. Weniger Studienabbrecher verzeichnen beispielsweise Japan (11 Prozent) und Dänemark 16 Prozent. Eine deutlich höhere Abbruchquote wird dagegen für Norwegen 37 Prozent) und Schweden (46 Prozent) gemeldet.

Kritik: Nachwuchswerbung verpufft

Die hohe Abbruchquote in den MINT-Fächern beunruhigt und verärgert die Metall-Arbeitgeber. Das Engagement der Wirtschaft in der Nachwuchswerbung verpuffe so zu einem erheblichen Teil. "Alle unsere Mühen bei Schulabgängern und Studienanfängern sind umsonst, wenn die Hälfte der Studierenden dann nicht bis zum Abschluss durchhält", kritisierte Golinski. "Volkswirtschaftlich betrachtet ist das Ressourcenverschwendung", sagte Golinski. Allein beim Arbeitgeberverband Nordmetall und seiner Nordmetall-Stiftung betragen die Investitionen in die Fachkräftegewinnung mehrere Millionen Euro pro Jahr. Vor dem Hintergrund der Entwicklung habe Nordmetall mittlerweile drei Projekte zur Verbesserung der Hochschullehre aufgelegt. Zwei von fünf Studenten wurden in der Regelstudienzeit fertig Wiesbaden - Nur zwei von fünf Studenten haben ihr Studium 2010 innerhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen. Insgesamt beendeten 309 200 Studenten ein Erst-, Zweit- oder Masterstudium, davon 39 Prozent in der Regelstudienzeit. Bei Bachelorstudierenden waren es drei von fünf Studenten, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am 18. Mai in Wiesbaden mitteilte.

Vergleiche zu früheren Jahren gibt es nicht, die Zahlen wurden erstmals erhoben. Eine interne Untersuchung für 2009 habe ähnliche Ergebnisse gebracht, sagte eine Sprecherin. Knapp jeder zweite Student (48 Prozent) eines Masterstudiengangs bekam seinen Abschluss 2010 innerhalb der vorgegebenen Zeit. Ein Drittel der Lehramtsprüfungen wurde binnen der vorgegebenen Studiendauer abgelegt. Bei Fachhochschuldiplomen waren es 30 Prozent, bei Uni-Diplomen und entsprechenden Abschlüssen 20 Prozent. Im Saarland waren die Studenten besonders pünktlich. Dort schafften 54 Prozent ihre Abschlüsse in der Regelzeit, in Schleswig-Holstein waren es nur 23 Prozent.

Am besten lief es beim Bachelorstudiengang Bibliothekswissenschaft/ Dokumentation. Dort machten alle Studenten ihren Abschluss innerhalb der Regelzeit - allerdings waren es auch nur vier. Dagegen schafften den Fachhochschulabschluss in Biologie gerade einmal 1,6 Prozent in der Regelstudienzeit. Diese ist vor allem für den Anspruch auf BAföG-Geld wichtig, denn das wird nur unter engen Voraussetzungen über die Regelstudienzeit hinaus gewährt.

Weitere Informationen

 

Quelle: dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 21/2012