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27.04.2012
Studie: Frühkindliche Bildung nur Mittelmaß
Innerhalb jeder Betreuungsform bestehen laut der Untersuchung erhebliche Unterschiede: Die pädagogische Qualität in Kindergärten, Krippen, altersgemischten Gruppen, Tagespflegestellen und Familien reicht von unzureichend bis gut und ausgezeichnet. Weiterhin ergab die Untersuchung, dass nach wie vor Ost-West-Unterschiede in der Qualität der Betreuungseinrichtungen zu beobachten sind. Trotz verschiedener Reformanstrengungen in den letzten 15 Jahren hat sich die Qualität der pädagogischen Prozesse in Kindergartengruppen im Durchschnitt in Deutschland nicht verbessert.

Mit NUBBEK (Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit) liegt die erste bundesweite Studie vor, die die Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindergärten und Krippen, sowie in altersgemischten Gruppen, in Tagespflegestellen und Familien, auch im Vergleich zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund, systematisch analysiert. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden in acht Bundesländern zwei- und vierjährige Kinder, ihre Familien und ihre Betreuungseinrichtungen in die Untersuchung einbezogen. Dabei besuchten die Forscher rund 2000 Kinder und ihre Familien und begutachteten die pädagogische Arbeit in annähernd 600 Betreuungseinrichtungen. Neben mehrstündigen Beobachtungen wurden Tests mit Kindern und ausführliche Interviews mit Eltern und Fachpersonal durchgeführt sowie der Bildungs- und Entwicklungsstand der betreuten Kinder erfasst.

Einen besonderen Schwerpunkt legen die Herausgeber der Studie auf Kinder und Familien mit russischem und türkischem Migrationshintergrund. Sie bilden die größte Migrantengruppe in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund: Der Bildungs- und Entwicklungsstand der Kinder steht stärker mit den Lebensbedingungen in ihren Familien in Zusammenhang als mit der pädagogischen Qualität in den außerfamiliären Betreuungseinrichtungen.

Die Autoren der Studie ziehen den Schluss, dass der quantitative Ausbau der Kinderbetreuung mit intensiven Anstrengungen zur Verbesserung der pädagogischen Qualität begleitet werden muss.

Stellungnahme der GEW

In einer ersten Stellungnahme hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärt, dass die Studie bei Fragen nach der Qualität in den Kitas zu einseitig angelegt sei. Die Untersuchung berücksichtige nicht ausreichend, dass sich die Lage der Familien und Kinder in den vergangenen Jahren drastisch verändert habe und Anforderungen an die frühkindliche Bildung gestiegen seien - die Rahmenbedingungen in den Kitas sich jedoch nicht verbessert hätten. "Im Gegenteil: Den Erzieherinnen werden immer mehr Aufgaben aufgedrückt: Sprachförderung, Bildung der Kinder in Naturwissenschaften, Elternberatung, Gesundheitsförderung, Umweltbildung oder die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst des Jugendamtes - ohne entsprechende Qualifizierung, Unterstützung und Entlastung der Kolleginnen", betonte GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke.

NUBBEK ist eine unabhängige Studie. Sie wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Jacobs Foundation und der Robert Bosch Stiftung, sowie den Bundesländern Bayern, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der ausführliche Forschungsbericht erscheint im Herbst 2012.

Quelle: bildungsklick.de