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15.08.2017
In Jordanien will König Abdullah die Bildung für einheimische und syrische junge Menschen weiter verbessern
In Jordanien ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv in den Ausbau des Bildungssektors investiert worden. Nicht zuletzt König Abdullah setzt sich unablässig dafür ein, Bildung und Ausbildung in dem Land zu verbessern. Erst im vergangenen April veröffentlichte er ein Diskussionspapier. Die Entwicklung des Humankapitals und Bildung seien Voraussetzungen für den Fortschritt Jordaniens, war das Papier überschrieben. Zugleich mahnte der König, die Herausforderungen, vor die der Bildungssektor stehe, entschlossen anzugehen.

Tatsächlich war der Ausbau des Bildungssektors in Jordanien überaus erfolgreich. Die Analphabetenquote liegt in dem Land bei nur etwa zwei Prozent. Englische Sprachkenntnisse sind verbreitet. Rund 98 Prozent aller Kinder besuchen die Schule. Viele machen Abitur und absolvieren anschließend ein Studium.

Doch natürlich gibt es Probleme und Verbesserungsbedarf. Aktuell steht das Schulsystem vor allem wegen des Zustroms von Flüchtlingen aus Syrien unter hohem Druck. Seit Beginn der Syrien-Krise sind zusätzlich mehr als 400.000 Kinder in das Land gekommen. "Double-Shift" (Doppelschicht) heißt das Modell, das Jordanien einsetzt, um diesen Ansturm zu bewältigen. Morgens werden die jordanischen Kinder unterrichtet, nachmittags Schülerinnen und Schüler aus Syrien.

Derzeit soll es etwa 100 Doppelschicht-Schulen in Jordanien geben. Dabei ist dieses System keinesfalls neu. Es wird in Jordanien bereits seit 1960 eingesetzt, um überfüllte Klassenräume der öffentlichen Schulen zu entlasten. Forscherinnen vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) haben das System untersucht. Ihr Ergebnis: Doppelschichten seien ein effektiver Lösungsansatz, um den Kindern möglichst schnell Bildung zu ermöglichen.

Doch werden natürlich auch bauliche Maßnahmen realisiert - unter anderem mit Unterstützung der Bundesregierung. So hat das Entwicklungsministerium die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit umfassenden Baumaßnahmen an 20 Schulen beauftragt. Im Fokus stehen die sanitären Einrichtungen und Abwassersysteme sowie die Außenanlagen der Schulen. So wird für die Kinder ein besseres Lernumfeld geschaffen.

In Jordanien gibt es öffentliche Schulen, private Schulen und Schulen des UN-Palästinenserhilfswerkes UNRWA. Das Schulsystem basiert auf einer zehnjährigen Pflichtschule, bestehend aus sechs Jahren Elementarschule und vier Jahren Mittelschule. Danach können die Schüler je nach Qualifikation zwischen dem zweijährigen Gymnasium mit Abitur oder einer Berufsausbildung wählen. Die UNRWA-Schulen, die früher einen sehr guten Ruf genossen, leiden unter Finanzproblemen. Die Klassenstärke ist in diesen Bildungseinrichtungen vergleichsweise hoch.

Staatliche Elementar- und Sekundarschulen sind in Jordanien kostenlos. Laut LI-Portal der GIZ schicken jedoch immer mehr Eltern ihre Kinder auf kostenpflichtige Privatschulen, weil sie diese für qualitativ besser halten, vor allem beim Englischunterricht. Für die Berufsausbildung ist die Vocational Training and Education Corporation (VTEC) in Amman verantwortlich.

Im Anschluss an das Abitur streben die meisten jungen Leute in Jordanien einen Universitätsabschluss an. Eine Berufsausbildung wird im Allgemeinen nicht als Alternative zum Hochschulstudium wahrgenommen - ein Phänomen, das in den meisten arabischen Ländern zu beobachten ist. Dabei besteht an Facharbeitern auch in Jordanien ein Mangel.

In dem Land gibt es zehn staatliche und 19 private Universitäten sowie 51 so genannte Community Colleges. Die Universitäten sind durchweg kostenpflichtig, wobei die Gebühren der staatlichen Hochschulen erschwinglicher sind. Dort gibt es jedoch ein relativ rigides Numerus-Clausus-System. Nur Abiturienten mit der höchsten Punktezahl dürfen Medizin, Ingenieurwesen und Informatik studieren.

Die bekanntesten staatlichen Universitäten sind die University of Jordan in Amman (mehr als 40.000 Studenten, die Yarmouk University in Irbid (über 30.000 Studenten) und die Jordan University of Science and Technology in Irbid mit mehr als 20.000 Studierenden.

Die 2005 eröffnete German Jordanian University (GJU) hat ihren Schwerpunkt in ingenieurwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächern. Die GJU ist eine staatliche jordanische Universität. Curriculum und Lehre orientieren sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Eine enge Kooperation mit einem immer größer werdenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung.

Laut Auswärtigem Amt pflegen jordanische Universitäten und Forschungseinrichtungen in den verschiedensten Bereichen einen regen Austausch mit Deutschland. Viele jordanische Wissenschaftler hätten in Deutschland studiert oder promoviert und setzen gemeinsame Forschungsvorhaben mit deutschen Kollegen um. Mit Hilfe deutscher Stipendien oder auch auf eigene Kosten kämen jedes Jahr zahlreiche Jordanier als Studierende, Doktoranden oder Professoren für Kurz- und Langzeitaufenthalte nach Deutschland. Seit 2012 unterhält der DAAD (Deutsche Akademische Austauschdienst) ein Informationszentrum in Amman, welches als Anlaufstelle für sämtliche Fragen zum deutschen Hochschulwesen und Studienmöglichkeiten in Deutschland fungiert und eine Reihe von Stipendien-Angeboten administrativ betreut.

Quelle: Ghorfa