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02.11.2016
Bildungsforum in Berlin: Experten plädieren für einen höheren Stellenwert der beruflichen Bildung in den arabischen Ländern

Die Berufsausbildung in den arabischen Ländern muss künftig einen höheren Stellenwert erhalten. Das war der Tenor auf dem 7. Arabisch-Deutschen Bildungsforum am 5. und 6. Oktober in Berlin. Zahlreiche Experten wiesen darauf hin, dass die berufliche Bildung bei den jungen Menschen in der Region nach wie vor Imageprobleme habe. Diese bevorzugten vielfach eine akademische Ausbildung, obwohl damit keinesfalls eine Arbeitsplatzgarantie verbunden sei.

Zur Eröffnung des Forums wies Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka in diesem Zusammenhang auf die positiven Erfahrungen Deutschlands hin. In früheren Jahren sei die Bundesregierung von der OECD wegen der relativ geringen Akademikerzahl kritisiert worden. Das habe sich inzwischen geändert. Mittlerweile erkenne die OECD die Erfolge der dualen Berufsausbildung ausdrücklich an. Hierzulande sei die Jugendarbeitslosigkeit so niedrig wie in keinem anderen europäischen Land. Zu Recht gelte die duale Ausbildung als ein wichtiger Grund für die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Die Ministerin hatte in diesem Jahr erneut die Schirmherrschaft für das Bildungsforum übernommen. Es wurde wie in den Vorjahren von der Ghorfa in Zusammenarbeit mit iMOVE, der Initiative der Bundesregierung für den Bildungsexport, veranstaltet. An der Veranstaltung nahmen  etwa 300 hochkarätige Experten und Entscheidungsträger aus Deutschland und der arabischen Welt teil. Sie wurden zum Auftakt des Forums von Ghorfa-Generalsekretär Abdulaziz Al-Mikhlafi und iMOVE-Leiter Ulrich Meinecke begrüßt.

Wie Ghorfa-Präsident Dr. Peter Ramsauer in seiner Eröffnungsansprache erklärte, weist die deutsch-arabische Kooperation im Bildungssektor seit Jahren eine positive Dynamik auf. Gute Bildung entscheide nicht nur maßgeblich über die Zukunft junger Menschen, sondern auch über die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften. Die arabischen Staaten investierten daher hohe Summen in die Bildung. Für deutsche Dienstleister, die in der arabischen Welt hohes Ansehen genießen, eröffnen sich vor diesem Hintergrund weiter hervorragende geschäftliche Chancen.

Abdulrahman bin Mohammed Al-Khulaifi, katarischer Botschafter in Berlin und Doyen des arabischen diplomatischen Korps in Deutschland, wies darauf hin, dass die Bevölkerung in den arabischen Ländern rasant wachse. In der Folge nehme die Zahl der jungen Menschen laufend zu. Gegenwärtig sind bekanntlich etwa die Hälfte der Einwohner in der Region unter 25 Jahre alt. Viele Länder hätten daher die berufliche Bildung in ihre nationalen Visionen aufgenommen.

Nael Al Kabariti, Präsident der Generalunion der arabischen Kammern und der jordanischen Handelskammer, wünschte sich einen Ausbau der Bildungszusammenarbeit zwischen Deutschland und den arabischen Ländern. Vor allem müssten die arabischen Staaten die deutsche Expertise in Berufsbildung stärker nutzen.

Laut Prof. Dr. Reinhold Weiß, Vizepräsident des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB), dient die Bildungskooperation der wirtschaftlichen Entwicklung und Stabilität in den arabischen Ländern. Zugleich sei sie ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Ursachen für Flucht und Migration.

Dr. Ahmed bin Fahd bin Ibrahim Al Fuhaid, Präsident der Technical and Vocational Training Corporation (TVTC) in Saudi-Arabien, ging auf die ambitionierten bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Ziele ein, welche die saudische Regierung in der "Vision 2030" und dem "National Transformation Program 2020" (NTP) formuliert hat. So soll der Anteil der saudischen Arbeitskräfte im Privatsektor (derzeit lediglich 15 Prozent) deutlich erhöht und der Frauenanteil an den Erwerbstätigen verdoppelt werden. Laut NTP soll die Arbeitslosenquote bis 2020 von zwölf auf neun Prozent gesenkt werden. Vorgesehen ist, die Zahl der jungen Menschen in Berufsbildungsprogrammen auf 950.000 zu verneunfachen. Hierbei sollen ausländische Bildungsanbieter eine tragende Rolle spielen.

Im Rahmen des Forums fanden vier Sitzungen statt. Eine Session war der Situation im Bildungssektor der arabischen Staaten in Nordafrika gewidmet. Unter anderem referierte Saida Ounissi, Staatssekretärin im tunesischen Bildungsministerium. Nach ihren Angaben hat in dem Land der Ausbau der beruflichen Qualifizierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Priorität. Dabei gelte Deutschland als Vorbild. Allerdings solle das deutsche System nicht kopiert werden. Die Regierung wolle das Image der Berufsausbildung verbessern, die Programme auf ländliche Gebiete ausweiten und den Privatsektor stärker in die Maßnahmen integrieren.

Quelle: Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V.