Medienkompetenz für Erzieherinnen
Experten wie ehemaliger Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München und Didacta-Präsident, Prof. Dr. Wassilios Fthenakis, sehen Medienerziehung als eine der zentralen Aufgaben im frühkindlichen Bereich. Und dafür braucht es geschulte Vermittler. Deswegen hat das Bundesbildungsministerium im Jahr 2008 ein groß angelegtes Weiterbildungsprojekt für Erzieherinnen gestartet: "Basisqualifizierung Medienkompetenz".
Rund 10.000 Erzieherinnen haben mittlerweile an den Schulungen teilgenommen. Jetzt ist die zweite Schulungsphase für weitere 10.000 Erzieherinnen gestartet. Organisiert wird das Projekt vom Verein Schulen ans Netz. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Kurse werden bundesweit von verschiedenen ausgewählten Trägern angeboten. In Norddeutschland ist es der Verein Blickwechsel e. V.. Hier organisiert Susanne Roboom die medienpädagogischen Weiterbildungskurse für die Erzieherinnen. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen gefragt.
Warum sollten sich Erzieherinnen überhaupt in diese Richtung qualifizieren, könnte man den Computer nicht einfach außen vor lassen?
Susanne Roboom: Vom frühesten Lebensalter kommen Kinder mit Medien in Berührung, also auch mit dem Computer. Medien sind somit selbstverständlicher Bestandteil ihrer Lebenswelt. Und die Kinder begegnen den neuen Technologien und Computerwelten meistens ziemlich unbefangen und mit einer großen Portion Neugier. Die "graue Kiste" hat ihnen auch einiges zu bieten, schon im Vorschulalter. Je selbstverständlicher die Kinder lernen, mit dem Computer umzugehen, desto größer ist die Chance, dass sie ihn sinnvoll nutzen. Erzieherinnen werden auch häufig mit Fragen der Eltern konfrontiert. Etwa, ob die Gewaltbereitschaft der Kinder steigt, oder ob sie sich nicht mehr richtig bewegen, nicht mehr rückwärts laufen können, wenn sie den Computer nutzen. Da kann die Antwort nur sein: Wenn man den Computer als Babysitter einsetzt, dann muss man sich über negative Konsequenzen nicht wundern. Aber wenn man ihn mit Konzept und Bedacht einsetzt, dann ist er durchaus sinnvoll und im Hinblick auf Chancengleichheit ganz wichtig. Denn auch Kinder aus Familien, die keinen Computer besitzen oder ihn sehr einseitig nutzen, bekommen die Möglichkeit, sich mit dem Gerät vielseitig und spielerisch auseinanderzusetzen. Zudem können im Kindergarten Mädchen und Jungen gleichermaßen an den Computer herangeführt und im Umgang mit der Technik gefördert werden. Wie kreativ und vielseitig der Computer letztendlich genutzt wird, hängt zu Hause wie in der Einrichtung stark von der Unterstützung durch die Erwachsenen ab.
Was lernen die Erzieherinnen in diesen Kursen?
Susanne Roboom: Die Kurse sind als Mischung aus pädagogischer Diskussion und technischer Erprobung aufgebaut. Die Erzieherinnen erhalten solide Grundkenntnisse rund um den Computer und das Internet und sollen in die Lage versetzt werden, den Computer in der eigenen Einrichtung für medienpädagogische Projekte und zur Medienkompetenzförderung einzusetzen. Außerdem lernen sie, das Internet zur eigenen Weiterbildung zu nutzen.
Und was kann man sich unter diesen medienpädagogischen Projekten in der Kita vorstellen?
Susanne Roboom: Zum Beispiel können die Kinder mit der Digitalkamera losziehen und Bildreihen knipsen, das schult die Wahrnehmung. Wenn gerade das Thema Formen oder Farben behandelt wird, können sie draußen gucken: Wo finde ich diese Formen? Wo sind denn andere Kreise als die, die wir hier als Plättchen im Kindergarten haben? Dann entdecken sie möglicherweise den Gullideckel. Oder man kann gemeinsam Spiele bewerten, um einen bewussteren Blick zu bekommen.
Weitere Informationen:
- Bericht der Expertenkommission des BMBF zur Medienbildung
- Praxisprojekte aus verschiedenen Kindertagesstätten
Dazu auf der didacta 2010:
- KIGA-Seminare mit den Tagesthemen: Ausbildung & Qualifikation (16.3. 2010), Gestaltung von Bildungsprozessen im Elementarbereich / Sprachförderung (17.3.), Beobachtung und Dokumentation / Bewegung und Kreativität (18.3.), Aktionstag BETA/KTK und WIFF (19.3), Entscheidertag LJA Bildung ist Gesetz(T)/ Elternkongress (20.3.) Weitere Informationen
- Symposion "Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen in Kindergarten und Grundschule", Konzept und Moderation: Professorin Dr. Angelika Speck-Hamdan (Ludwig-Maximilians-Universität München), Dr. Hans Rudolf Leu (Deutsches Jugendinstitut e.V., München) Congress-Centrum Ost, Congress-Saal Sektion III, 16.03. und 17.03.2010, 11 - 16 Uhr. Weitere Informationen
- Medienpädagogischer Tag des WDR, mit Dr. Maya Götz (IZI), Monika Frederking (wdr Kinderradio), Heike Sistig (wdr Kinderfernsehen) u. a. Moderation: Ralph Caspers (Sendung mit der Maus, Wissen macht Ah!) 18. 03.2010, Offenbachsaal, 10:30 bis 13 Uhr Weitere Informationen
Quelle: didacta Themendienst
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