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16.07.2014
Position des Didacta Verbandes gestärkt: nachhaltig in die Qualität der frühen Bildung investieren
Die Qualität der frühen Bildung entscheidet über den weiteren Bildungsweg. In den Jahren vor dem Schuleintritt werden die Grundlagen für späteres erfolgreiches Lernen gelegt. Ausschlaggebend dafür sind eine enge familiäre Bindung und geeignete Bildungsangebote. Letztere kosten Geld, und deshalb ist es zwingend erforderlich, in die frühe Bildung zu investieren.

Diese Erkenntnisse entsprechen seit vielen Jahren dem Stand der internationalen und nationalen Forschung, und so fordern Wissenschaft, Praxis und der Didacta Verband die Politik seither auf, die frühe Bildung zu stärken. Dieser Forderung schließen sich nun auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der deutsche Akademien der Wissenschaften in einer Stellungnahme an.

Wichtigste Etappe auf dem Bildungsweg

Die entwicklungspsychologische Forschung belegt, dass schon Kleinstkinder in der Lage sind, komplexe Bildungsprozesse aktiv mitzugestalten. Neurowissenschaftliche Befunde besagen, dass sich viele kindliche Kompetenzen in Abhängigkeit von der Entwicklung des Gehirns früh entwickeln, und ökonometrische Studien beweisen, dass Investitionen im Bildungsverlauf den höchsten Nutzen bringen, wenn sie früh getätigt werden.

Beispielhaft sei hier die Arbeit von James Heckmann genannt, Nobelpreisträger in den Wirtschaftswissenschaften. Heckmann zufolge zahlen sich frühe Investitionen aus, weil alles früh Gelernte das spätere Lernen erleichtert. Dagegen sind Förderprogramme für Jugendliche und junge Erwachsene, sollen die gleichen Fähigkeiten im Erwachsenenalter erreicht werden, erheblich teurer. Die meisten dieser Programme sind wirtschaftlich ineffizient.

Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien können von frühen Bildungsmaßnahmen profitieren, weil sie in ihrem direkten Umfeld zu selten gefördert werden. So trägt frühe Bildung dazu bei, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abzukoppeln.

Erzieherinnen und Erzieher stärken

Die Politik setzt die Rahmenbedingungen für gelingende Bildung von Anfang an. Sie hat die Herausforderung erkannt, meistert sie jedoch nur halbherzig. Zwar wurden große öffentliche Summen in den Ausbau von Krippen und Kitas investiert. Nun gilt es aber vor allem, die Qualität in erheblichem Maße zu fördern, um die oben genannten Effekte zu erzielen.

Qualität beginnt beim Personal: Erzieherinnen und Erzieher legen früh den Grundstein für späteren Bildungserfolg. Um ihrer Schlüsselrolle im Bildungsprozess gerecht werden zu können, müssen sie bestmöglich aus- und fortgebildet werden. Die Forschung belegt, dass die Ausbildungsqualität der Fachkräfte die Bildungsqualität direkt beeinflusst. Zudem muss den Erzieherinnen und Erziehern endlich die ihnen zustehende Wertschätzung entgegengebracht werden. Gelingende Bildung braucht die am besten qualifizierten Fachkräfte, die engagiert ihrer Arbeit nachgehen und dabei die volle Unterstützung der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft erhalten.

Die Rahmenbedingungen für die Arbeit in Krippen und Kitas müssen dringend verbessert werden: Schlechte Arbeitsbedingungen wie Gesundheitsbelastung durch Stress, Lärm und rückenbelastende Tätigkeiten, Überforderung durch dauerhafte Unterbesetzung wegen zu dünner Personaldecke, befristete Arbeitsverträge, stark variierende Arbeitszeiten, mangelnde Aufstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten schrecken viele ab, den Beruf der Erzieherin zu ergreifen. Auch die inklusive Förderung wird das Arbeitsfeld erweitern. Die Gehälter entsprechen nicht der Verantwortung und den Anforderungen an das Berufsbild. Doch gerade die Gestalter und Mitbegleiter der individuellen Bildungsbiografien müssen angemessen bezahlt werden.

Auch auf struktureller Ebene ist ein Umdenken erforderlich: In Deutschland gibt es 16 verschiedene Bildungspläne für den Elementarbereich, die von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Dies fördert die Ungerechtigkeit im System. Stattdessen benötigen wir ein Bundesqualitätsgesetz, das länderübergreifende Standards für Kitas festlegt, beispielsweise Standards zur Fachkraft-Kind-Relation, zu den Gruppengrößen, zum Qualifikationsniveau der pädagogischen Fachkräfte und zur Fort- und Weiterbildung.

Darüber hinaus muss der Einfluss der Familien auf den Bildungserfolg der Kinder sehr viel stärker berücksichtigt werden. Denn die Familie ist der zentrale Bildungsort der Kinder. Gelingt eine enge Kooperation von Familie und Bildungseinrichtung, dann nehmen die positiven Effekte für die Kinder signifikant zu. Deshalb müssen auch die Kompetenzen der Familien gestärkt werden, um sie zu Bildungspartnern zu machen, die auf Augenhöhe mit den Fachkräften agieren können. 

Eine Qualitätsoffensive im Elementarbereich ist dringend notwendig - sie darf nicht länger auf sich warten lassen. Das hierfür benötigte Geld ist gut angelegt: für jedes einzelne Kind, die Familie und auch für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Bund, Länder und Kommunen stehen hierbei gemeinsam in der Verantwortung. Sie müssen einen Weg finden, wie sie nachhaltig investieren, ohne sich ständig über Folgekosten zu streiten. Das Kooperationsverbot muss aufgehoben werden. Nur so kann sich auch der Bund an den erforderlichen Mehrinvestitionen beteiligen.

Der Didacta Verband der Bildungswirtschaft macht sich stark für die frühe Bildung und für Erzieherinnen und Erzieher. Mit den Kita-Seminaren im Rahmen der didacta - die Bildungsmesse bietet er ein Fortbildungsprogramm mit Vorträgen und Workshops, das jährlich von ca. 3 000 Fachkräften in Anspruch genommen wird.
Die nächsten Kita-Seminare finden statt vom 24. bis 27. Februar 2015 in Hannover.
Eine Auswahl der Kita-Seminar-Beiträge 2014 finden Sie hier.
In Kooperation mit den Buchmessen Leipzig und Frankfurt organisiert der Didacta Verband zudem Fachkongresse für Erzieherinnen und Erzieher.
Der "Meine Kita Club" und das Magazin "Meine Kita" sind wichtige Informationsquellen für die Verantwortlichen des Elementarbereichs.