English | Impressum | Kontakt / Anfahrt | Newsletter | Schriftgröße
16.02.2010
Ausbildungspakt geht weiter - DGB: "Bilanz geschönt"

Bundesregierung und Wirtschaft wollen den Nationalen Ausbildungspakt zur Sicherung des Lehrstellenangebots auch über 2010 hinaus fortsetzen. Dies teilte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach einem Treffen der Paktpartner am 10. Februar in Berlin mit.

Künftig will die Bundesregierung auch die Gewerkschaften beteiligen. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise rechnen Experten für diesen Herbst erneut mit einem Rückgang des Lehrstellenangebots - und zwar um rund 20 000 Plätze.

Die Zahl stammt aus einer Prognose des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB/Bonn), die im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt wurde. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 50 338 zurückgegangen - auf insgesamt 566 004. Dies entspricht bundesweit einem Rückgang von 8,2 Prozent (West: 7,1 Prozent, Ost: 13 Prozent). 45 800 neue Ausbildungsplätze wurden voll vom Staat bezahlt.

Entschärft wird die Situation auf dem Lehrstellenmarkt allerdings durch den weiteren Rückgang der Schulabgängerzahl. In diesem Jahr werden 25 000 Schüler weniger die Schule verlassen als noch im Vorjahr. Zum gesetzlichen Stichtag 30. September 2009 suchten noch 83 100 Jugendliche eine Ausbildungsplatz. Der überwiegende Teil davon entschied sich für eine weitere schulische Ausbildung oder Ersatzmaßnahmen.

"Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist besser als man angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten konnte", heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Paktpartner. Kammern und Verbänden sei es im Rahmen der Übereinkunft gelungen, 72 600 neue Ausbildungsplätze bei den Unternehmen einzuwerben. 46 300 Betriebe seien erstmalig für eine Ausbildung gewonnen worden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärte: "Zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland starten über die duale Ausbildung ins Berufsleben. Gerade bei Altbewerbern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund werden wir unsere Anstrengungen noch weiter verstärken."

Handwerkspräsident Otto Kentzler kündigte angesichts der weiter rückläufigen Schulabgängerzahlen eine Werbekampagne an, um besonders qualifizierte Jugendliche für eine Berufsausbildung zu gewinnen. Man wolle die jungen Menschen ermutigen, eine Ausbildung bis zum Meister zu machen. Anschließend stehe ihnen bei Interesse auch ein Studium offen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, sieht durch den allgemeinen Rückgang der Schülerzahl bessere Vermittlungschancen für ausländische Jugendliche. Böhmer verwies darauf, dass in Deutschland etwa 1,1 Millionen Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren mit Migrationshintergrund leben.

DGB kritisiert "geschönte" Ausbildungspakt-Bilanz
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält die Bilanz des Ausbildungspakts von Bundesregierung und Wirtschaft für "geschönt". In dem Bericht würden 73 500 Jugendliche, die in sogenannten Warteschleifen stecken und auf eine Ausbildungschance hoffen, einfach "als versorgt" bezeichnet, kritisierte die DGB-Vizevorsitzende Ingrid Sehrbrock in einer Erklärung am 11. Februar. Sehrbrock forderte eine "ehrliche Ausbildungsstatistik". Die Krise habe auch den Ausbildungsmarkt längst erreicht, sagte sie. In diesem Jahr drohe eine weitere Verschärfung. Allein in der Metall- und Elektroindustrie sei nach Schätzungen nochmals mit einem Minus von zehn Prozent bei den Stellenangeboten zu rechnen. Sehrbrock: "Wir brauchen deshalb dringend einen Schutzschirm für Ausbildung."

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz, sagte, eine Fortsetzung des Paktes allein reiche nicht aus. "Die Bundesregierung muss eine Strukturreform der beruflichen Bildung einleiten, in der einzelne Ausbildungsschritte anerkannt und damit die sinnlosen Warteschleifen abgeschafft werden."


Quelle: dpa
Foto: © bilderbox / Fotolia.com